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Christian Maurer

Übungen zur Vorbereitung des Stabreimsprechens mit den Kindern

Für das Stabreimsprechen mit den Schulkindern in der 4. Klasse der Waldorfschule haben sich unterstützende Übungen im Schreiten und im Greifen sehr bewährt:
  1. Schreiten
    Das stabende Wort kann aus der Bewegung »aufgebaut« werden, indem die Kinder ins Knie gehen und sich dann mit dem Anlaut des Stabwortes aufrichten und dabei mit dem Eigengewicht durch die Fußsohle den Stablaut gewissermaßen der Erde einprägen.
    Dabei empfiehlt es sich, die Kinder zuerst nur die Schrittbewegung üben zu lassen und ihnen den Sprechtext mit seinen Stabreimen langsam und ausdrucksvoll dazu vorzutragen. Der natürliche Dreischritt : Gehen - Sprechen - Denken wird so auf höherer Stufe als künstlerische Übung nachvollzogen: Schreiten wird Aufrichten – Aufrichten wird Sprechen – im Sprechen kann verstanden werden.
    (Das Aufrichten aus der Kraft des Oberschenkels, mit der gesprochenen Stabsilbe zusammen, ist Gegenbild und Gegenbewegung des mißverstandenen und zugleich ungesunden Stab-Stampfens mit den Hacken!)
  2. Greifen
    Aus der Praxis der Sprachpädagogin Christa Slezak-Schindler ist das konkrete »Greifen« des Stablautes mit Hilfe eines kurzen Holzstabes schon weit verbreitet.
    Viele Kinder werden rasch sehr geschickt im Greifen ihres geliebten kurzen, mit eingekerbten Runenzeichen geschmückten »Buchen-Stabes«, der aber so dick sein sollte, daß ihn eine Kinderhand nur gerade umfängt (Die Kupferstäbe für die Eurythmie sind dafür völlig ungeeignet!).
    Kurz etwas hochgeworfen - und genau mit dem Stablaut des Stabwortes zusammen ergriffen, gewinnt der Stablaut an Sprachkraft und zieht »handgreiflich« in den Willen ein. Schon die Aufmerksamkeit der Kinder auf das rechtzeitige Greifen ihres hochgeworfenen Stabes verhindert die Überbetonung des nachfolgenden Vokales in der Stabsilbe.
Diese Übungen, das Schreiten und das Greifen, üben zwei geschickte Kinder gerne zuerst zur Sprache des Lehrers vor der Klasse; die anderen Kinder schauen mit Interesse zu. Nach und nach üben immer zwei weitere Schüler, und die Klasse gewinnt Freude daran, aufmerksam, langsam und kraftvoll dazu zu sprechen. Auch längere Stabreim - Texte prägen sich dabei wie von selbst ein.
Der nächste Schritt bei beiden Übungen ist folgerichtig, daß die Kinder selbst zugleich beides tun, Schreiten und Sprechen oder Sprechen und Greifen, daß so ihre Sprachkraft wie aus der gehaltenen Körperbewegung aufsteigt. (Schreiten und Greifen zu einer Übung zu kombinieren, reißt dagegen die Aufmerksamkeit und Gestaltungskraft der Kinder auseinander und ist pädagogisch nicht sinnvoll.)

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